Sven Lechtleitner

Autor. Dozent. Journalist.

Mindestlohn – to be continued

Es ist noch gar nicht lange her: Union und SPD einigten sich in ihrem Koalitionsvertrag auf einen gesetzlichen Mindestlohn. Ab dem 1. Januar 2015 sollen Mitarbeiter mindestens 8,50 Euro je Arbeitsstunde erhalten. Aber: Der gute Vorsatz benötigt vor allem Zeit. Auf Branchenebene sind tarifliche Abweichungen für maximal zwei Jahre möglich. Erst danach gilt der gesetzliche Mindestlohn bundesweit.

Vereinbart ist vereinbart – könnte man zumindest denken. Doch Vertreter von CDU/CSU verlangen nun Ausnahmen bei der Lohnuntergrenze, wie Spiegel-Online berichtet. Vor allem Horst Seehofer fordere gesonderte Regelungen für Praktikanten und Rentner.

Aber auch Stimmen aus der Wirtschaft schließen sich dieser Meinung an. Immer kräftiger wird der Wunsch nach Differenzierung. Ein flächendeckender Mindestlohn könne die Beschäftigungserfolge der letzten Jahre gefährden, heißt es heute in einem Interview auf Reuters.com.

Aber: Gibt es überhaupt Grund zur Diskussion? Zumindest Union und SPD sollten sich eigentlich über die Inhalte ihres Koalitionsvertrages einig sein. So viel Aufsehen das Mitgliedervotum der SPD im Vorfeld auch erregt hat: Die Parteimitglieder haben dem Verhandlungsergebnis zugestimmt. Eine Stimmigkeit, von der CDU/CSU gerade nur träumen können. Auch wenn die Sorgen um einen gesetzlichen Mindestlohn nachvollziehbar klingen: Dass sich Wirtschaftsvertreter dagegen aussprechen, ist nicht Neues. Deshalb besinnen wir uns vorerst darauf, was die Bundesregierung vor Kurzem erkannt hat: „Gute Arbeit muss sich wieder lohnen“.

Foto: © M. Schuppich – Fotolia.com

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